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02. Gyeongbokgung, Namdaemun

Gleich nach dem Aufstehen werden Philipp und Richard zu Tisch gebeten, abermals bietet Frau Kim uns verschiedene Sorten Kimchi mit Reis und der klaren Algensuppe an. Das Essen scheint insgesamt betrachtet weniger abwechslungsreich zu sein als man dies von Europa gewöhnt ist. Hier wird die Nahrung in größeren Mengen vorbereitet und dann davon gezehrt, die Tageszeit ist offenbar bei der Essensauswahl weniger von Bedeutung. Kimchi mit Reis wird sowohl morgens wie auch abends kredenzt.

Nachdem Andreas und Miriam erst spät ins Bett gegangen sind, ist heute morgen hier schon sehr früh Action, bestimmt seit ca. 6 Uhr. Frau Hong hat angerufen, und Miriam spricht auch mit ihr. Danach ist es schwierig wieder einzuschlafen, denn alle außer uns sind wach. Zum Essen gibt es dann einen Berg Reis auf jedem Teller, Fisch, Kimchi, etwas Mangoldähnliches, Paprika u.a.

Am frühen Nachmittag treffen wir uns alle in Seoul, um den alten Palast Gyeongbokgung [Bild]Das Eingangstor zum Palast - und eine der größeren Touristenansammlungen, die wir gesehen haben – aber alles Koreaner!
Das Eingangstor zum Palast
zu besichtigen. Dieser ist mitten in Seoul gelegen und erstreckt sich über eine große Fläche [Bild]Etwas tiefer im Palast - unterhält sich Richard mit Sang-Hyeok
Etwas tiefer im Palast
mit verschiedenen Gebäudekomplexen, in welchen die damaligen Herrscher ihre politischen und sonstigen Erledigungen zu tätigen pflegten. Als Einrichtung der Räumlichkeiten diente meist ein kleiner Tisch [Bild]Ein Studierzimmer -
Ein Studierzimmer
, vor dem – wie auch heute noch häufig üblich – auf dem Boden gesessen wurde. Pompöse Sitzkissen [Bild]Eine Art Wohnzimmer - mit gemütlich aussehenden Sitzkissen
Eine Art Wohnzimmer
sowie reich verzierte Möbelstücke [Bild]Ein großer Schrank - in einem Nebenzimmer
Ein großer Schrank
stehen dicht an den nur durch dünne Holzstreben verstärkten Papierwänden, wobei die Räume jedoch keineswegs überladen wirken, wie dies in europäischen Schlössern für gewöhnlich der Fall ist.

Andreas und Richard machen, mit ihren Digitalkameras bewaffnet, eifrig Aufnahmen von verschiedenen Details [Bild]Bunte Ecke - so frisch und leuchend sind die Farben fast überall in den Tempeln und Palästen – sehr gut instand gehalten
Bunte Ecke
der Bauwerke. Die Gebäude sind in einheitlichem Stil gebaut und haben hübsche Verzierungen [Bild]Blumen - auf den Enden der Balken, darüber die Ziegeln des Daches
Blumen
. Auch Gelegenheit für interessante und witzige Schnappschüsse [Bild]Schnappschuss - zusammen mit dem etwas gelangweilten Wächter
Schnappschuss
bieten sich hier reichlich. Unter anderem der traditionelle Wachwechsel [Bild]Wachwechsel - nachdem die Ablösung herbeigezogen und die Wachdienstübergabezeremonie abgehalten ist, können die Abgelösten mit wehenden Fahnen von dannen ziehen
Wachwechsel
erregt unsere Aufmerksamkeit.

Auch heute ist es sehr schwül, die Sonne lässt sich nach wie vor nicht sehen, und der weiße Dunstschleier verunmöglicht einen ungetrübten Fernblick. Zumindest ist es tagsüber bislang trocken, so dass wir unsere Regenkleidung noch nicht benötigen. Nass sind wir allenfalls vom Schwitzen, was in diesem Klima ein Dauerzustand ist.

Gegen viertel vor sechs fahren wir mit dem Bus, der nicht für große Leute gebaut ist, aber eine Klimaanlage hat, zum ehemaligen Südstadttor Namdaemun und dem dortigen Markt [Bild]Geschäftiges Treiben - am Rande des Marktes
Geschäftiges Treiben
. Dort treffen wir Daniel und einen Freund von ihm sowie Lisa und ihre Schwester. Alle zusammen laufen wir dann kurz über den Markt, ohne viel zu kaufen.

Es gibt hier anscheinend wirklich alles, neben Kleidung und normaler Nahrung auch für unsere Augen skurrile Dinge wie Ginsengwurzeln [Bild]Ginsengwurzeln - die sich in wilden Verrenkungen gegen ihre Glasgefängnisse stemmen
Ginsengwurzeln
im Glas und Schweineköpfe [Bild]Schweineköpfe -
Schweineköpfe
. Letztere werden in schamanistischen Zeremonien verwendet, um gutes Gelingen für eine bevorstehende Aufgabe zu erbitten.

Richard probiert etwas Fisch, den eine alte Frau dort verkauft. Andreas will ein Foto von Richard und ihr machen, aber leider gefällt ihr diese Idee überhaupt nicht.

Richard und Philipp kaufen sich noch eine Ananas am Stiel [Bild]Ananas am Stiel -
Ananas am Stiel
, und als sie fertig sind mit Essen, machen wir uns alle auf den Heimweg [Bild]Auf dem Heimweg - hier in der Nähe wohnt die Familie von Frau Hongs Bruder
Auf dem Heimweg
. Nur Lisa muss arbeiten, sie hat einen Job in einem Geschäft für Damenbekleidung, das bis zwei Uhr nachts geöffnet hat. In Deutschland kaum vorstellbar.

In der Wohnung von Frau Hongs Bruder gibt es ziemlich bald Essen. Da die ganze Familie zu Hause ist, gibt es, wie für sie gewohnt, Essen am Boden mit Reis, Gurken, Kimchi, Salat, Fischchen, Tofu und Fleisch. Andreas versuch, ab und zu neue koreanische Wörter und Redewendungen zu lernen. Miriam ist stolz, dass ich inzwischen immerhin auch drei Wörter kann.

Mit Sang-Hyeok spielt Andreas außerdem einige Partien Omog. Dieses Spiel ist laut Sang-Hyeok bei Koreanern sehr beliebt. Es wird auf einem Go-Brett gespielt, aber man könnte es "fünf gewinnt" nennen. Sang-Hyeok ist sehr erfreut immer wenn Andreas gewinnt – eigentlich immer, aber Sang-Hyeok spielt wohl aus Höflichkeit nicht so stark. Sang-Hyeok zeigt uns auch einige Zaubertricks mit Münzen.

Bevor wir ins Bett gehen, bittet Sang-Hyeok Andreas um einen augenscheinlich großen Gefallen: Er habe eine Freundin, die uns auch treffen wolle, aber gerade so viel um die Ohren habe, und die habe heute Geburtstag. Ob Andreas ihr nicht gratulieren könne? Also rufen wir sie an, und Andreas gratuliert auf Koreanisch. Sie freute sich, und Sang-Hyeok ist unglaublich erfreut, bedankt sich und gibt Andreas zweimal beidhändig die Hand. Er scheint diesen, im Vergleich zu dem, was die Familie für uns tut, kleinen Gefallen sehr hoch zu schätzen.

Heute Abend haben wir auch den zweiten Sohn der Familie kennen gelernt. Er kennt uns noch nicht so gut wie Sang-Hyeok und ist daher noch höflicher, verbeugt sich viel öfter.


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