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05. Hinfahrt bis zum Zeltplatz

Im-Seon ist wirklich unglaublich liebenswert und fürsorglich. Nachdem sie uns gestern Abend das wohl typisch deutsche Essen, Kartoffeln mit Sauerkraut und Würstchen, gekocht hatte – sie war, wie sie uns sagte, im Supermarkt "zufällig" über ein Glas Sauerkraut gestolpert – durften wir heute nochmals ein ausgiebiges Frühstück genießen. Wenn man sie fragt, ob man ihr nicht zu viele Umstände mache und ihr Arbeit abnehmen will, dann winkt sie stets mit einem gelassen-bescheidenen Lächeln ab und vermittelt dabei den Eindruck, als sei für sie eine solche Rundumverwöhnung die natürlichste Selbstverständlichkeit überhaupt – eine derart selbstlose Herzlichkeit haben wir selten zuvor erlebt.

So lässt es sich Im-Seon [Bild]Unsere Im-Seon - fährt uns netterweise zum Flughafen
Unsere Im-Seon
auch nicht nehmen, uns heute morgen zum Flughafen zu fahren, von dem aus wir einen Inlandsflug zur Insel Jeju nehmen wollen. Wir packen [Bild]Wir packen - unsere Sachen in Im-Seons Auto
Wir packen
unsere Sachen in ihr kleines rotes Auto und quetschen uns ebenfalls dazu. Das Auto ist derart voll beladen, dass es deutlich Schlagseite hat, und prompt nehmen wir schon bei der ersten größeren Unebenheit Bodenkontakt auf. Ein Schmunzeln umspielt Im-Seons Lippen, und sie setzt die Fahrt unbeirrt fort, so leicht lässt sie sich nicht aus der Fassung bringen.

Auf dem Weg kommen wir an Seouls höchstem Gebäude, dem "63er" [Bild]Auf dem Weg - kommen wir an Seouls höchstem Gebäude, dem
Auf dem Weg
, vorbei, es hat 60 Stockwerke über und drei unter der Erde. Außerdem können wir aus der Ferne einen Blick auf das Parlamentsgebäude erhaschen, ein imposanter Bau, der aber einen etwas monumental-klotzigen Eindruck macht.

Am Flughafen angekommen, kümmert sich Im-Seon um alles Nötige, sie besorgt die Tickets und achtet dabei sehr sorgfältig darauf, dass alles seine Richtigkeit hat. Sie wirkt nun fast mütterlich besorgt, und wir versichern ihr, dass wir auf uns aufpassen werden und uns schon nichts zustoßen wird. Um die Wartezeit zu überbrücken, laden wir sie auf einen Kaffee ein, den trinken wir dann gemütlich plaudernd auf der Dachterasse des Flughafenbistros.

Nach rührender Verabschiedung trennen wir uns von unserer Im-Seon und fliegen binnen einer guten Stunde Flugzeit in einem gemütlichen kleinen Flugzeug [Bild]In einem gemütlichen Flugzeug - fliegen wir auf die Insel Jeju
In einem gemütlichen Flugzeug
auf die Insel Jeju. Unterwegs gibt es leider nicht allzu viel zu sehen, da das Land unter uns in einen milchig-grauen Dunst gehüllt ist und wir zeitweise inmitten dichter Wolken fliegen.

In Jeju angekommen, begeben wir uns sogleich zur Touristeninformation und erkundigen uns nach Campingplätzen, denn wir möchten unser 3-Mann-Zelt nun erstmals nutzen und als Stützpunkt für Tagesausflüge an einem geeigneten Ort aufschlagen. Wir lassen uns mehrere Campingplätze auf der Landkarte markieren und begeben uns zum Taxistand. Da wir uns auf der Insel nicht auskennen, beschließen wir, erstmal per Taxi zu einem nahegelegenen Campingplatz in der Stadt zu fahren.

Während der Fahrt kommen wir an einem Fahrradverleih vorbei, und in uns keimt sogleich die Idee auf, doch mit Fahrrädern die Insel unsicher zu machen. Der Taxifahrer lässt uns nach nur wenigen Minuten Fahrt auf einer Art Parkplatz aussteigen und meint, dies sei der Campingplatz. Etwas skeptisch glauben wir ihm dies und steigen aus. Der angebliche Campingplatz besteht aus einem staubig-steinigen Gelände mit wenigen Holzpodesten. Zwar liegt der Platz nahe am Meer, allerdings düsen nur wenige Meter über unseren Köpfen im Minutentakt laut dröhnend Flugzeuge hinweg, die sich im Landeanflug auf den Jeju-Airport befinden. Vermutlich ist dies auch der Grund dafür, weshalb sich hier lediglich ein einziges Zelt finden lässt.

Uns ist gleich klar, dass wir hier auf keinen Fall campen möchten, und da der Taxifahrer schon davongefahren ist, beschließen wir, zum nahegelegenen Fahrradverleih zu laufen [Bild]Ein Minihafen - auf den wir in Jeju-Stadt treffen, während wir überlegen, wo wir denn nun hin sollen
Ein Minihafen
und uns dort Räder auszuleihen, mit denen wir dann zu einem attraktiveren Campingplatz fahren wollen. Bei der Fahrradvermietung angekommen, müssen wir eine ganze Weile warten [Bild]Warten - auf die Herrschaften von der Fahrradvermietung
Warten
, dann dürfen wir uns aus einer Reihe von Rädern jeweils eines aussuchen. Da die meisten Räder leichte Mängel haben, nimmt das einige Zeit in Anspruch, so funktioniert bei einem die Gangschaltung nicht richtig und beim nächsten eiern die Pedale. Am Ende hat aber jeder von uns ein fahrtüchtiges Vehikel gefunden.

Als der Fahrradvermieter erfährt, dass wir beschlossen haben, zu einem Campingplatz im Inselinneren zu fahren, rät er uns zuerst energisch davon ab und meint, dass man mit den Rädern normalerweise nur an der flachen Küste entlang fahre und das Inselinnere zu bergig und gefährlich sei. Wir versichern ihm, dass wir geübte Fahrer seien und zu Hause im Schwarzwald viel in den Bergen führen, es daher also kein Problem für uns sei. Schließlich lässt sich der Fahrradvermieter tatsächlich überzeugen, und wir müssen noch zu einem letzten Gruppenbild [Bild]Ein letztes Bild - bevor wir uns, entgegen der vehementen Empfehlungen des Fahrradvermieters, auf den beschwerlichen Weg Richtung Inselinneres machen
Ein letztes Bild
antreten, bevor wir uns auf den beschwerlichen Weg Richtung Inselinneres machen.

Wir eiern [Bild]Erst mal gewöhnen - an das Fahren mit den großen Rucksäcken...
Erst mal gewöhnen
die ersten paar Hundert Meter etwas unsicher am Straßenrand entlang, es ist gar nicht so einfach, mit den schweren Rucksäcken die Balance zu halten, und dementsprechend langsam kommen wir voran. In der Stadt suchen wir einen kleinen Laden auf und kaufen etwas Proviant, wobei wir hoffen, dass es am Zeltplatz auch einen Laden geben wird. Auch suchen wir eine Tankstelle und erklären mit viel Gestikulieren dem Tankwart, dass wir am liebsten bleifreies Benzin für unseren Campingkocher hätten.

Die Strecke bis zum Campingplatz, den wir uns auserkoren haben, ist kilometermäßig nicht allzu lang, führt aber, wie wir auf der Karte sehen, bergauf bis zum Rande des sich im Inselinneren befindenden Nationalparks. Der Campingplatz scheint uns daher ein idealer Stützpunkt für Inselausflüge zu sein, und wir sind zuversichtlich, die Strecke in zwei bis drei Stunden zurücklegen zu können.

Schon bald müssen wir uns eingestehen, dass dies so schnell nicht zu schaffen ist, die beständigen Anstiege [Bild]Unterwegs - wird es ziemlich anstrengend, es geht beständig bergauf
Unterwegs
mit den schweren Rucksäcken kosten Kraft, und Richard und Miriam, die freizeitmäßig nicht ganz so viel radfahren, müssen regelmäßig absteigen und ihr Rad an besonders steilen Wegstücken schieben. Zwischendurch beginnt es zu regnen, was uns aber nicht weiter stört und Gelegenheit zur Erfrischung bietet. Wir hoffen nur, dass der Regen bis zu unserer Ankunft wieder aufhört, denn es gibt in der Tat Angenehmeres, als im Regen zu zelten.

Der gesamte Weg führt direkt an der Straße entlang. Wir müssen für die koreanischen Autofahrer ein ungewöhnlicher Anblick sein, wie wir uns mit den Rädern und großen Rucksäcken den Berg hinauf quälen, regelmäßig werden wir angehupt und mit Zurufen und Handzeichen angefeuert. Außer uns ist hier weit und breit kein Radler zu sehen.

Schon ziemlich erschöpft erreichen wir eine mysteriöse Straße [Bild]Mysteriöse Straße - Aufgrund einer optischen Täuschung scheint man bergauf zu rollen, in Wirklichkeit geht es natürlich bergab. Mit unseren Fahrrädern sind wir eine Attraktion
Mysteriöse Straße
. Auf Grund einer optischen Täuschung scheint man bergauf zu rollen, in Wirklichkeit geht es aber natürlich bergab. Dieser Ort ist eine Touristenattraktion [Bild]Gruppenfoto an der Inschrift - Man beachte: Diese Dame ist nicht etwa mit dem Fahrrad hier hochgefahren, sondern hat es sich aus dem Kofferraum des Autos geben lassen...
Gruppenfoto an der Inschrift
, und darum sind hier viele Menschen anzutreffen. Mittels der unterschiedlichsten Methoden wird versucht, dem Paradoxon jener Straße auf den Grund zu gehen. Die gängigste Methode ist es, mit einem Taxi [Bild]Eine Taxischlange - Alle warten darauf, an der Startlinie wenden, den Motor abschalten und wie von Geisterhand rollen zu können
Eine Taxischlange
an der Startlinie zu wenden, den Motor abzuschalten und wie von Geisterhand rollen zu können. Ein Herr [Bild]Nun fließ schon! - Aber das Wasser will nicht so recht, wie der nette Koreaner wohl will...
Nun fließ schon!
versucht, Wasser den Berg hinauf fließen zu lassen, aber das Wasser will nicht so recht, wie der nette Koreaner wohl will. Wir probieren das Ganze natürlich mit unseren Rädern aus, sind aber nicht wirklich beeindruckt. Mit gutem Willen und etwas Phantasie scheint man durchaus bergauf zu rollen, aber ob wir es ohne Hinweis überhaupt gemerkt hätten, bleibt fraglich.

Die letzten Kilometer zum Campingplatz legen wir bereits im Halbdunkel zurück, anstatt der ursprünglich angenommenen zwei bis drei Stunden haben wir gute sechs Stunden für die vermeintlich kurze Strecke vom Fahrradverleih bis zum Campingplatz benötigt.

Glücklicherweise hat der Regen inzwischen wieder aufgehört. Mit letzten Kräften bauen wir im Schein unserer Kopflampen das Zelt auf. Der Campingplatz macht einen ruhigen und angenehmen Eindruck, er ist direkt am Waldrand gelegen, und nur wenige Zelte sind aufgeschlagen, so dass wir problemlos ein gemütliches Plätzchen für das unsrige ausfindig machen können. Der einzige Nachteil ist, dass es hier oben keinen Laden gibt, lediglich ein Waschhaus mit Getränke- und Kaffeeautomaten. Gut, dass wir uns in Jeju-Stadt etwas Proviant gekauft haben.

Zum Abschluss des Tages kocht uns Richard [Bild]Beim Abendessen - entfällt es Richard kurzfristig, dass er sich ja von Miriam einen Rock geliehen hatte, weil er mal wieder keine trockene Hose mehr hatte...
Beim Abendessen
auf dem Benzinkocher einen leckeren Eintopf, dann verkriechen wir uns müde in die Schlafsäcke.



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