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06. Radtour nach Süden

Wir wachen früh auf, weil es langsam heiß wird im Zelt. Da bemerken wir, dass Arme, die die Zeltwand berührt haben, komplett zerstochen sind. Um das Zelt herum schwirren Scharen von Mücken, und gierig stechen sie mit ihren Rüsseln von allen Seiten immer wieder auf gut Glück durch die Zeltwand, in der Hoffnung auf ein erquickliches Quäntchen Blut. Verzweifelt gehen wir zum Gegenangriff über und zwacken erfolgreich einige der durch die Zeltwand eindringenden Rüssel im richtigen Moment ab. Doch gegen die Übermacht haben wir keine Chance, und wir treten die Flucht nach vorne ins Freie an.

Wir haben beschlossen, heute eine Tagestour zur Südküste der Insel in die Region Seogwipo zu machen. Der schnellste Weg [Bild]Friedhofspferdeweide - Kurz nach dem Start sehen wir diese Pferde – gibt es also auch in Korea! Sie weiden auf etwas, das wie ein alter Friedhof mit ein paar Grabsteinen aussieht.
Friedhofspferdeweide
geht über die 1100-Meter-Straße am Gipfel entlang. Wie der Name schon sagt, führt die Straße in luftige Höhen [Bild]Blick in die andere Richtung - Das sind wohl Teefelder. Ansonsten – könnte es auch im Schwarzwald sein...
Blick in die andere Richtung
. 600 Höhenmeter mit dem Fahrrad liegen vor uns.

Nach den ersten 8 km beschließen wir spontan, einen buddhistischen Tempel [Bild]Wir vier vor dem Frühstückstempel - Der Mönch, der uns das Reisgetränk zum Frühstück spendiert hat, hat dieses Foto auch mit seiner Kamera gemacht, wollte aber selbst nicht fotografiert werden.
Wir vier vor dem Frühstückstempel
zu besuchen, der am Wegesrand angezeigt ist. Ein kleiner buddhistischer Mönch mit Brille scheint etwas überrascht über den unerwarteten Besuch zu sein. Wir fragen ihn, ob er irgend etwas zum Frühstücken habe, da wir gestern leider vergessen hatten, dafür einzukaufen. Nach der ersten Überraschung stärkt er uns mit einem Reisgetränk und bietet uns sogar an, den Tempel von innen [Bild]Im Tempel - den der Mönch extra für uns aufgeschlossen hat
Im Tempel
zu betrachten.

An buddhistischen Tempeln fällt sofort ihre ungeheuer bunte, etwas verspielt wirkende Gestaltung auf. Überall kann man Blumen und bunte Verzierungen [Bild]Über dem Eingangstor -
Über dem Eingangstor
entdecken, an der Decke hängen Unmengen leuchtender Laternen. Die Mitte bildet ein goldener Buddha mit den obligatorischen langen Ohrläppchen, die seine Weisheit symbolisieren. Das freundliche Innere eines buddhistischen Tempels steht so im Kontrast zu dem monumental düsteren so mancher christlicher Kirche.

Gestärkt und frohen Mutes machen wir uns nun auf zur 15 km langen Steigung bis zum 1100-Meter-Punkt. Die fehlenden Entspannungsphasen und die beständige bis zu 10%ige Steigung machen vor allem Miriam und Richard zu schaffen, die brennende Sonne tut ihr Übriges. Dafür, so motivieren wir uns, wird der weitere Weg, wenn wir einmal den Gipfel erreicht haben, ein reines Vergnügen sein. Die an uns vorbeifahrenden Koreaner scheinen fasziniert von der skurrilen Komik eines sich quälenden europäischen Gesichts und hupen uns fröhlich zu. Ein Auto hält sogar spontan an, und wir erhalten eiskalten Orangensaft zur Stärkung.

So erreichen wir nach einigen mühevollen Stunden tatsächlich den Gipfel. Es gibt dort eine Touristenstation, und es herrscht reger Wechsel. Fortwährend springen gruppenweise koreanische Touristen aus Taxis, Reisebussen und Leihwagen, um eilig ein "Urlaubsbeweisphoto" vor der Bärenstatue [Bild]Beim Touristenpunkt - ist eine ungezähmte Landschaft mit wilden Tieren modelliert, um unvergessliche Urlaubsschnappschüsse wie diesen zu ermöglichen
Beim Touristenpunkt
(das Denkmal soll wohl daran erinnern, dass es hier oben vor langer Zeit auch einmal so etwas wie wilde Tiere gegeben hat) oder auch vor weniger furchteinflößender [Bild]Zwei Jungs - die sich eine weniger furchteinflößende Kulisse gesucht haben
Zwei Jungs
Kulisse zu schießen, dann verschwinden sie sogleich wieder in ihren Gefährten, vermutlich unterwegs zum nächsten Urlaubszielpunkt.

Nachdem wir uns in aller Ruhe im Restaurant mit einem leckeren koreanischen Mittagessen [Bild]Wir - halten uns nicht mit Posieren auf, sondern holen unser dringend benötigtes Frühstück zusammen mit dem Mittagessen nach. Die Speisen sind für uns größtenteils unbekannt, aber es ist für jeden etwas dabei.
Wir
gestärkt und das Treiben auf der Bergstation interessiert und etwas amüsiert betrachtet haben, machen wir uns wieder auf den Weg. Von nun an geht es kontinuierlich bergab bis zur Küste. Wir müssen uns zwingen, vor lauter Fahrlust das Rad nicht einfach laufen zu lassen und womöglich mit dem Straßengraben unfreiwillige Bekanntschaft zu machen. Bis auf Richard, der einmal einen kurzen Abstecher ins Gebüsch unternimmt, gelingt uns dies auch bravourös [Bild]Sturmfrisur - Bei manchen hinterlässt die Schussfahrt sichtbare Spuren
Sturmfrisur
.

Kurz vor der Küste halten wir bei einer Gruppe steinalter Koreanerinnen und Koreaner, die es sich direkt am Straßenrand auf einem Holzpodest gemütlich gemacht haben. Ausgelassen und fröhlich lassen sie sich mit uns fotografieren [Bild]Wir und die Alten - mit denen wir eine rudimentäre Unterhaltung versuchen.
Wir und die Alten
. Gemeinsam stellen wir fest, dass die älteste von ihnen mit 94 Jahren mehr Lebenszeit verbracht hat als wir vier zusammen. Mit ihrer unbekümmerten Fröhlichkeit erinnert sie trotzdem an ein junges Mädchen. Im Hintergrund sehen wir Gewächshäuser [Bild]Gewächshäuser - So sieht also hier eine Gärtnerei aus.
Gewächshäuser
, was natürlich Miriam besonders interessiert.

Wir fahren weiter und kommen an einer christlichen Kirche [Bild]Christliche Kirche - im poppigen Stil
Christliche Kirche
vorbei, die für uns etwas befremdlich wirkt. Es gibt hier verschiedene für uns ungewohnte Stile von Kirchen. Diese gehört zur poppigen Kategorie.

Bald darauf gelangen wir in die Küstenstadt. Dort herrscht auf den engen Straßen sehr dichter Autoverkehr, und wir müssen mit den Rädern vorsichtig durch das Gedränge manövrieren. Nachdem im Gebirge die Temperatur recht frisch war und es uns zeitweise sogar etwas fröstelte, sind wir nun wieder von einer schwülen Hitze umgeben, wir baden förmlich in Schweiß.

Unser erstes Ziel ist ein Naturpark mit einigen Wasserfällen. Nach einigem Suchen kommen wir schließlich beim Naturpark an. Er ist rundum zur Touristenattraktion ausgebaut und scheint ein beliebtes Urlaubsziel für koreanische Familien und Schulklassen zu sein. So müssen wir natürlich Eintritt zahlen und dürfen dann auf schmalen Wegen zu den eigentlichen Wasserfällen [Bild]Wasserfall - im Naturpark
Wasserfall
hinuntersteigen. Die Wege sind gesäumt von üppigem Grün, und wären da nicht die vielen Menschen, könnte man zeitweise durchaus meinen, man liefe durch einen naturbelassenen Dschungel. Aber vor und hinter uns drängen sich die Besucher, so dass diese Vorstellung hier eher bizarr anmutet und etwas Phantasie abverlangt.

Die Wasserfälle [Bild]Richard vor einem größeren Wasserfall - Trotz Wartens wurde der Hintergrund leider nicht geräumt
Richard vor einem größeren Wasserfall
selbst sind durchaus beeindruckend anzusehen, wenn sie auch zu dieser Jahreszeit mangels Wasser nicht die volle Größe erreichen. Richard und Miriam sind offenbar derart angetan von den tosend herabstürzenden Wassermassen, dass sie das allgemeine Badeverbot ignorieren und sich eine mehr oder minder unfreiwillige Ganzkörpererfrischung [Bild]Platsch - Aus Solidarität mit Miriam (im Hintergrund) lässt sich auch Richard ins Wasser fallen
Platsch
genehmigen. Begeistert von der koreanischen Natur, beschließen wir auch den nahegelegenen botanischen Garten zu besuchen. Vorher aber gönnen wir uns, von der glühenden Sonne und dem Auf und Ab auf den Wegen im Naturpark ausgelaugt, eine deftige Portion Bi-Bim-Bap, und manch einer unternimmt aussichtslose Versuche, seine Unterkleider zu trocknen [Bild]Richard - bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen – dem Trocknen seiner Hosen
Richard
.

Spinnenförmig [Bild]Ein Ufo - nein, das ist der botanische Garten von außen
Ein Ufo
ragt das Hauptgebäude des botanischen Gartens aus der Landschaft. Zuerst machen wir eine kleine Fahrt mit dem Gartenbähnchen [Bild]Im botanischen Garten - machen wir eine Tour mit einer kleinen Bummelbahn. Eine Schulklasse skandiert, aber es gilt wohl nicht uns
Im botanischen Garten
. Anschließend betreten wir das Innere des futuristischen Komplexes. Hier lauern Gefahren in Form von Kannibalenfiguren [Bild]Hilfe! - Ein fieser Kannibale lauert im Gebüsch und erschreckt uns mit markerschütterndem Gebrüll
Hilfe!
und Plastikkrokodilen [Bild]Au! - Nun kommen auch noch Plastikkrokodile angeschwommen, unterstützt von schlimmer Kaufhausmusik!
Au!
, von denen wir uns aber nicht abschrecken lassen.

In den Armen des Gebäudes [Bild]Miriam vor der Hirschgeweihpflanze - Nachdem wir die Angriffen von verschiedensten Ungeheuern überstanden hatten, ist der botanische Garten sehr entspannend und vielseitig
Miriam vor der Hirschgeweihpflanze
sind die Pflanzen nach verschiedenen Themen geordnet. Es gibt einen Bereich mit Wasserpflanzen, einen mit Kakteen und einen mit tropischen Früchten. Alles ist sehr liebevoll gestaltet, störend ist nur eine ständige kaufhausartige Musikuntermalung.

Im Außenbereich finden sich gewissermaßen Themenparks, so zum Beispiel ein koreanischer [Bild]Im koreanischen Garten -
Im koreanischen Garten
und ein japanischer [Bild]Im japanischen Garten -
Im japanischen Garten
Garten. Dieser ist sehr beeindruckend, sein Spiel mit dem Wasser und die Verbindung von organischen und geometrischen Formen.

Als wir uns sattgesehen haben, geht es die Küste entlang zu einem weiteren buddhistischen Tempel [Bild]Zu diesem Tempel - fahren wir vom botanischen Garten weiter. Er ist erst wenige Jahre alt, aber im traditionellen Stil gebaut
Zu diesem Tempel
. Er wurde erst 1996 gebaut, allerdings ganz an den klassisch-traditionellen Prinzipien des koreanischen Tempelbaus orientiert. Die zwei Türme vor dem Hauptgebäude mit einer Trommel und einer Glocke [Bild]Der Glockenturm - in der plötzlich erschienenen Abendsonne
Der Glockenturm
bilden eine waagrechte Linie und wiederholen so den Horizont des dahinterliegenden Meeres.

Eine kurze, von einem Drachen [Bild]Ein Drache - bewacht die Eingangstreppe zum Tempel
Ein Drache
bewachte Eingangstreppe führt uns in den Tempel, natürlich nachdem wir die Schuhe ausgezogen haben. Das Zentrum des Tempelinneren bilden drei Buddhastatuen [Bild]Im Inneren des Tempels - befinden sich große und prachtvolle Versionen der Statuen
Im Inneren des Tempels
, wovon eine mit vier Metern Koreas größte ist. An zwei Stützpfeilern schlängeln sich bunte, gefährlich aussehende Drachen [Bild]Ein Drache - spendet Licht
Ein Drache
entlang, die leuchtende Kugeln zur Beleuchtung in den Klauen halten. Einige Mönche und Besucher verneigen sich wiederholt bis zum Boden und bekunden so ihre Demut vor der Weisheit der Lehren Buddhas.

Plötzlich beginnt draußen der Trommler [Bild]Der Trommler - leitet die Abendmesse ein
Der Trommler
sein langes Spiel. Touristen wie wir sollten den Tempel jetzt für ernsthaftere Zwecke freigeben, denn das Trommeln und die anschließenden Glockenschläge [Bild]Die große Glocke - wird nach dem Trommeln geschlagen
Die große Glocke
leiten die Abendmesse ein. Ganz umgeben vom anschließenden Singsang aus dem Tempel und dem nie verstummenden Gesurre der Maemis schauen wir noch etwas herum und finden hinter dem Tempel eine Grotte [Bild]In einer kleinen Höhle - finden wir noch einen Nebenschrein
In einer kleinen Höhle
mit einem weiteren kleinen Schrein.

Die Abenddämmerung [Bild]Schnell auf einen Hügel - und versucht, ein Abendsonnenbild vom Tempel zu machen
Schnell auf einen Hügel
setzt langsam ein und wir beschließen aufgrund der fehlenden Fahrradbeleuchtung, uns schleunigst auf den Rückweg zu machen. Nach einer einstündigen halsbrecherischen Fahrt direkt an einer dichtbefahrenen koreanischen Straße entlang, während der es bald finster wird, kommen wir gerade noch rechtzeitig an der Busstation an, um den Bus zu erwischen, der uns heute mittag in einer Touristeninfo genannt wurde. Es stellt sich aber zu unserem Schrecken heraus, dass an diesem Tage gar kein Bus mehr an unserem Campingplatz vorbeifährt, lediglich einer, dessen Route weit entfernt an der Küste entlang verläuft. Verzweifelt redet Andreas in gebrochenem Koreanisch auf den Busfahrer ein, der sich erst stur und unnachgiebig gibt, sich schließlich aber doch erweichen lässt – vermutlich sehen wir in unserer Erschöpftheit und Verzweiflung genügend mitleiderregend drein – so dass wir für einen Aufpreis unsere Fahrräder mit in den Bus [Bild]Die Rückfahrt zum Zeltplatz - Wir sind sehr erschöpft, und es ist dunkel. Daher sind wir froh, dass wir nach viel Hin und Her das längste Stück mit dem Bus fahren können
Die Rückfahrt zum Zeltplatz
nehmen können und der Fahrer extra seine Route für uns ändert. Nach einstündiger Fahrt lässt er uns an einer Weggabelung aussteigen, ungefähr 8 km vor unserem Campingplatz, aber immerhin auf gleicher Höhe. In einem letzten Kraftakt strampeln wir durch die dunkle Nacht, ein freundlicher Autofahrer begleitet uns ein Stück, indem er langsam vor uns fährt und die Straße ausleuchtet. Erschöpft, aber glücklich erreichen wir schließlich, nach einem langen und erlebnisreichen Tag, unseren Campingplatz.


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