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10. Tongdosa

Nach einer erholsamen Nacht in der koreanischen Sauna und einem morgendlichen Bad fahren wir mit dem Bus nach Yangsan. In der Nähe wohnt Dong-Ins Schwägerin Jeom-Suk, bei der wir ein paar Tage wohnen können [Bild]Philipp, Andreas und Dong-In - beim Warten auf die Frau von Dong-Ins Cousin
Philipp, Andreas und Dong-In
. Sie holt uns mit ihren Söhnen [Bild]In-Tae und Richard - beim ersten Näherkommen
In-Tae und Richard
in einem Minivan ab, und der erste Eindruck, den sie vermittelt, ist irgendwie etwas amerikanisch. Aber das relativiert sich bald, und Konversationsversuche laufen auf Koreanisch.

Zusammen fahren wir zu Tongdosa [Bild]Zwei der vier - furchteinflößenden Wächter, die den Eingang jedes Tempels bewachen, immer in unterschiedlichen Posen
Zwei der vier
, dem berühmtesten und größten buddhistischen Tempel Koreas. Tongdosa ist idyllisch gelegen und von grünen Bergen umgeben und geborgen. Vor Betreten der Tempelanlage muss man sich reinigen, indem man mit bereitliegenden Schöpfkellen Wasser aus dem Brunnen trinkt [Bild]Richard reinigt sich - vor dem Durchschreiten des Eingangstores zum großen Tempel Tongdosa
Richard reinigt sich
. Jeom-Suk erweist sich als wunderbare Führerin, und als praktizierende Buddhistin unterweist sie Richard in der Kunst der dreimaligen demütigen Verbeugung vor Buddhas Weisheit. Richard scheint die Idee, sich mit Buddha näher anzufreunden, gar nicht so schlecht zu gefallen [Bild]Richard - sichert sich seine Portion Glück
Richard
.

Ein Teil der Tempelanlage [Bild]Laterne und Tempelgebäude -
Laterne und Tempelgebäude
ist ein Museum, in dem wir uns buddhistische Kunstwerke anschauen. Besonders beeindruckend ist die Sammlung buddhistischer Wandgemälde, die, ähnlich manch christlichen Jesusbildern, die Abschnitte des Lebens Buddhas erzählen.

Das Gelände ist sehr weitläufig und besteht aus vielen einzelnen Gebäuden [Bild]Tempelgebäude und Pagode - mit Tourist
Tempelgebäude und Pagode
, von denen in manchen gerade Unterweisungen stattfinden, während andere offenstehen und oft verschiedene Schreine [Bild]Ein kleiner Schrein - in einem kleinen Nebengebäude
Ein kleiner Schrein
zum Meditieren enthalten.

Direkt außerhalb des Tempelgeländes fließt ein flacher Fluss [Bild]Im Fluss - die Söhne In-Tae und Keun-Tae von Jeom-Suk mit einem Nachbarmädchen, Dong-In, Jeom-Suk
Im Fluss
vorbei, in dem wir zur Abkühlung etwas herumplanschen und uns näher mit den Kindern anfreunden [Bild]Richard und Keun-Tae -
Richard und Keun-Tae
.

Als wir einen Mönch treffen, spricht Jeom-Suk ihn an und fragt ihn, ob wir einen wichtigen Mönch treffen könnten. Er verspricht, uns nach den abendlichen Glockenschlägen ein Treffen mit dem Mönch zu ermöglichen.

Da bis zum Abendessen noch etwas Zeit ist, fahren wir zu einem etwas abgelegenen [Bild]Hinterland - mit den typischen Gefäßen zur Aufbewahrung von Lebensmitteln
Hinterland
Teil des Tempels. Hier stehen im Obergeschoss eines Hauses 3000 kleine Buddhastatuen [Bild]Die 3000 Buddhas -
Die 3000 Buddhas
, die alle etwas unterschiedlich sind. Wenn man eine gewisse Anzahl in beliebigen Richtungen abzählt, landet man bei der Statue, die sein zukünftiges Gesicht [Bild]Zukünftiges Gesicht -
Zukünftiges Gesicht
widerspiegelt.

Nach einem vegetarischen Abendessen im Tempel, zu dem Gäste eingeladen sind, begeben wir uns zu den Glockentürmen. Neben einer großen Trommel hängen auf dem Turm ein großer hohler Holzfisch und eine eiserne Wolke. Nacheinander spielen die Mönche [Bild]Prozession - zum Glockenturm
Prozession
die Schlaginstrumente. Das Schlagen des Fisches soll alle Tiere des Meeres auffordern, friedlich zu sein, und das Klingen der Wolke soll die Tiere der Luft zum Frieden führen. Schließlich wird die große Glocke im unteren Teil des Turmes geläutet, sie soll die Menschen auffordern, in Frieden zu leben. Der Klang der Glocke ist nicht klar und metallisch, wie der europäische Glockenklang, sondern weich und dumpf. Während europäische Glocken mit einem Metallklöppel von innen geläutet werden, werden die Glocken hier von außen mit einem Holzbalken gerammt.

Nach der Glockenzeremonie werden wir von einem Novizen abgeholt [Bild]Gefährliche Brücke - auf dem Weg zur Audienz
Gefährliche Brücke
. Leider können wir nicht mit dem wichtigen Mönch sprechen, da er meditiert, aber stattdessen wird ein junger Mönch mit uns Tee trinken. Wir werden in den Wohnbereich der Mönche geführt, und der junge Mönch bittet uns, nach der obligatorischen Verbeugung, uns zu setzen. Er heißt Su-Weol Seunim, was "Mönch Wassermond" bedeutet. Dong-In übernimmt die Rolle der Dolmetscherin, so dass tatsächlich eine flüssige Unterhaltung möglich wird.

Mit freundlich-neugierigen Augen erklärt uns Su-Weol Seunim, dass er erst seit drei Jahren Mönch ist und hofft, unsere Fragen zum Buddhismus trotzdem zu unserer Zufriedenheit beantworten zu können. Wir erklären ihm, dass sich in Deutschland einige Menschen für den Buddhismus interessieren und fragen ihn, ob man Mönch sein muss, um den Weg Buddhas zu gehen. Er sagt, dies sei nicht notwendig. In Indien beispielsweise leben einige Menschen, die große spirituelle Weisheit und Erleuchtung erlangt haben, jedoch nicht das Leben eines Mönches führen. Wir fragen ihn, welches wohl der beste Weg zur Erleuchtung sei, Textstudium, Gesang, Meditation, oder das Lesen von Mantras. Er erklärt, dass die Meditation sehr wichtig sei, jedoch könnten alle diese Wege zur Erleuchtung führen, da sie dem gleichen Prinzip entstammen.

Erfreut über unser Interesse erklärt er uns, dass er gerne Freunde aus dem Ausland hätte. Er habe in den nächsten Tagen Urlaub und sei mit mehreren Novizen Richtung Norden unterwegs. Er bietet uns an, ihn zu begleiten. Eine solche Gelegenheit bietet sich wohl selten, und wir vereinbaren, sie ein paar Tage zu begleiten. Auch Dong-In wird mitkommen.

Nach einer herzlichen Verabschiedung machen wir uns auf den Heimweg.


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