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19. Hinfahrt

Um 3:30 Uhr ist Morgenzeremonie angesagt. Mit einer langen Meditationsphase dauert sie fast eine Stunde. Um 6 Uhr gibt es Frühstück, dann fährt uns unser Mönch nach Bonghwa, wo wir in den Zug nach Kangneung steigen. [Bild]Im Zug - macht Schlafkünstler Richard uns mal wieder vor, wie man sich optimal positioniert
Im Zug


Jetzt verstehen wir, warum der Zug für die relativ kurze Strecke vier Stunden braucht: Im gemütlichen Bummeltempo fahren wir dahin, ab und zu halten wir an den viersprachig (Koreanisch, Englisch, Japanisch und Chinesisch) angekündigten Stationen an. Als wir endlich in Kangneung aussteigen, kommt gleich ein Mann zu uns her, der eifrig für einen Bus nach Seorak wirbt. Es soll 6000 Won kosten, was nicht viel teurer ist als Taxis zum Busterminal und die Kosten für die normalen Busse, also beschließen wir mitzufahren. Als der Fahrer des Kleinbusses zum Kassieren kommt, geben wir ihm 25000 Won, aber anstatt 1000 Won zurückzugeben, sagt der Fahrer mit einem selbstsicheren Lächeln: "8000 Won pro Person". Andreas versteht zuerst nicht recht, was er will, und guckt etwas nachdenklich-kritisch, daraufhin wiederholt der Fahrer mit dem gleichen selbstverständlichen Lächeln den Satz, nur sind es diesmal plötzlich "7000 Won pro Person". Nun ist klar, dass ein unverfrorener Abzockversuch vorliegt und wir bestehen auf den vom Werber angekündigten Preis, wenn es sich auch nicht um astronomische Unterschiede handelt. Dieser kommt auch hinzu und sagt dem Fahrer vermutlich, dass er uns leider schon den niedrigeren Preis genannt hat. Der lacht kurz wegwischend-verächtlich auf, wie es Schurken so tun, wenn sie erwischt werden, und gibt uns 1000 Won zurück, als ob nichts gewesen wäre.

Vom Zug aus waren uns schon die endlosen Stacheldrahtzäune aufgefallen, die sich am Strand entlang ziehen, in regelmäßigen Abständen von Flutlichtlampen geschmückt. Der Eindruck von Angst vor einer ständigen Bedrohung verstärkt sich während der Busfahrt noch, wir fahren an patroullierenden Soldaten vorbei, und am Rand der Straße stehen hin und wieder martialisch anmutende Monumente. Erst als es weiter in die Berge geht, schwindet dieser Eindruck wieder etwas.

Schließlich kommen wir in Seorak an und fühlen uns erst mal wie in der Wildnis ausgesetzt. Das führt mal wieder zu gereizter Stimmung bei einzelnen in der Gruppe, doch ein Blick hinter die nächste Kurve offenbart, dass wir uns offensichtlich doch im Touristengebiet befinden, denn es gibt einige Läden und Hotels. Auch ein Restaurant ist hier, und bei einem guten Mittagessen steigt die Stimmung gleich wieder.

Nach dem Essen checken wir, da es leider immer noch sehr regnerisch ist, erst mal in einem der Hotels ein, das für den Standardpreis von 30000 Won pro Nacht ein etwas größeres Zimmer als die anderen bietet.

Abends gehen Philipp, Richard und Andreas im Dorf aus. Wir finden tatsächlich, neben einer leeren Disko, in der ein lustiger 70er-Jahre-Kerl auf seiner Heimorgel piepst, eine Art Kneipe, in der wir gemütlich ein Bier trinken und dabei von den anwesenden Koreanern belustigt beäugt werden.



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