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20. Spaziergänge

Um Punkt 8 Uhr klingelt heute Morgen der Wecker, wir wollen zeitig aufstehen und den Nationalpark Seoraksan zu Fuß unsicher machen. Dafür haben wir uns zwei zwar nicht sonderlich lange, aber dafür – laut Wanderführer – sehr attraktive Wanderrouten ausgesucht. So sollen beispielsweise Wasserfälle, Tempel, Pagoden und interessante Felsformationen unterwegs zu sehen sein. Leider hat es die gesamte Nacht über geregnet und auch der heutige Tag verspricht kaum Besserung, immer noch plätschert der Regen monoton in die zahlreich vorhandenen Pfützen, und weiße Dunstschleier ziehen träge an den bewaldeten Berghängen entlang. Dennoch beschließen wir aufzubrechen – nachdem uns die vergangenen Tage eher wenig körperliche Aktivität abverlangten, kann uns das anhaltend trübe Wetter nicht zurückhalten, wir wollen raus in die Natur!

Wir ziehen uns, soweit vorhanden, unsere Regenklamotten an und brechen nach kurzem Frühstück in Richtung Ticket-Office auf, bis zu welchem wir von unserem Motel aus gut 2 km am Fluss entlang der Straße folgen müssen. Wie für alle bisherigen offiziellen Touristenattraktionen wird auch für die Nutzung der Wanderwege des Nationalparks Eintrittsgeld verlangt. Unser erstes Vorhaben ist es, die drei nahe beieinanderliegenden Wasserfälle Yukutam, Piryong und Towangsong zu besichtigen. Der Wanderweg, der an diesen Wasserfällen vorbeiführen soll, ist, wie wir mit Hilfe der Wanderkarte abschätzen können, nur knapp 2 km lang und also ein Katzensprung. Durch die starken Regenfälle der letzten Tage ist das Wasser des Flusses deutlich angeschwollen und jagt nun mit mächtigem Getöse das Tal hinab. Wenn es sich – was zu vermuten ist – mit den Wasserfällen ähnlich verhält, dann dürfen wir uns auf ein ganz besonderes Wasserschauspiel freuen.

Groß ist unsere Enttäuschung, als wir den Wanderweg abgesperrt vorfinden. Ein gelbes Absperrband und ein Schild verkünden, dass auf Grund der Wetterverhältnisse das Passieren nicht gestattet sei. Da wir damit nicht gerechnet hatten sind wir erst mal ziemlich vor den Kopf gestoßen und wissen nicht, wie wir uns verhalten sollen. Zwar regnet es immer noch etwas und auch der Dunst hüllt die nagegelegenen Wald- und Felsregionen ein, so dass diese immer wieder unsichtbar werden, aber eine Wegsperrung erscheint uns nicht nachvollziehbar, zumal die offiziellen koreanischen Nationalparkswege – wie wir schon auf Jeju erfahren haben – durchweg gut befestigt sind und ein Verirren daher selbst bei schlechtesten Sichtverhältnissen so gut wie unschaffbar sein dürfte. Wir nehmen also einfach an, dass die Nationalparkleitung hier eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme getroffen haben muss und beschließen kurzerhand, die Absperrung zu übersteigen. Sehr weit kommen wir jedoch nicht, bereits nach wenigen Metern hören wir hinter uns aufgeregtes Rufen, einige Augenblicke später steht schnaufend ein uniformierter Parkaufseher vor uns und redet hektisch und auf Koreanisch auf uns ein, während er mit der einen Hand wild gestikuliert und in der anderen seine Essstäbchen schwingt, wir müssen ihn offenbar beim Essen gestört haben. Allerdings lassen wir uns so schnell nicht einschüchtern, hartnäckig versuchen wir, dem Aufseher plausibel zu machen, dass wir bestens ausgerüstet seien und man sich um uns daher keine Sorgen machen müsse. Unsere Bemühungen zeigen aber bedauerlicherweise keinen Erfolg und auch der mittlerweile eingetroffene zweite Aufseher, ein junger Koreaner mit stattlichem Bauch, lässt sich nicht erweichen. Wir erfahren schließlich, dass fast alle Wanderwege wegen des Regens derzeit gesperrt seien und sogar die Seilbahn nicht in Betrieb sei, lediglich ein kleines Teilstück eines anderen Weges sei begehbar. Es bleibt uns also nichts anderes übrig als umzukehren und unser Glück bei den anderen Wegen zu probieren. Insgeheim hegen wir die Hoffnung, dass diese weniger gut beaufsichtigt werden und wir uns dort irgendwie durch die Absperrungen mogeln können.

Auf dem Weg dorthin wird uns zunehmend bewusst, weshalb die Wanderwege derart gut befestigt sind und trotzdem bereits bei etwas Feuchtigkeit gesperrt werden. Die meisten Koreaner [Bild]Ein paar Touristen - die hier etwas wanderuntauglich bekleidet unterwegs sind
Ein paar Touristen
sind nämlich mit Badeschlappen unterwegs und selbst Menschen, denen man nicht einmal die erfolgreiche Besteigung einer Stehleiter zutrauen würde, tapseln eifrig umher.

Nachdem wir kurz bei einem auf dem Wege gelegenen buddhistischen Tempel [Bild]Blick vom Tempel -
Blick vom Tempel
verweilt haben, gelangen wir an eine weitere Absperrung. Missmutig stellen wir fest, dass der wohlbeleibte Aufseher [Bild]Der beharrliche Aufseher -
Der beharrliche Aufseher
auch schon da ist und ein unbemerktes Durchmogeln somit unmöglich ist. Nach einer kurzen Überlegung, uns in die Wildnis zu stürzen und die Absperrungen weiträumig zu umgehen, beschließen wir dann doch, vorerst vernünftig zu bleiben und den einzigen geöffneten Wanderweg zu begehen. Dieser gleicht jedoch viel mehr einer Autobahn [Bild]Die Wanderautobahn -
Die Wanderautobahn
für fußlahme Spaziergänger als einem Wanderweg, er ist ca. 3 Meter breit und durchgehend mit Betonplatten ausgelegt. Hier begegnen wir einer ersten größeren Gruppe [Bild]Eine der Gruppen - von Jugendlichen, auf die wir treffen
Eine der Gruppen
jugendlicher KoreanerInnen, die mit seltsamen Sporttrikots vollkommen identisch bekleidet sind und andauernd laut tönende Kommandos und Gruppengesänge von sich geben. Wir rätseln, ob es sich hierbei vielleicht um eine Gruppe koreanischer Pfadfinder handeln könnte, was uns dann jedoch unwahrscheinlich vorkommt, denn Pfade gibt es hier gewiss keine mehr zu entdecken.

Nach einer Weile weicht der Autobahnweg einem interessanteren und natürlicheren Weg mit vielen Felsen und dank dem Regen auch vielen Wässerchen und Pfützen. Gegen Ende [Bild]Das letzte Stück Weges - gut befestigt
Das letzte Stück Weges
gilt es einige Treppen zu erklimmen, dann endet auch dieser Weg an einer Absperrung [Bild]Ob es was bringt - wenn wir das Schildchen umdrehen?
Ob es was bringt
, auch hier [Bild]Ein imposanter Fels - am vorübergehenden Endpunkt dieses Weges
Ein imposanter Fels
gibt es im Moment kein Weiterkommen für uns [Bild]Philipp und Andreas -
Philipp und Andreas
. Kurz nach uns kommen auch die verschieden Gruppen Jugendlicher [Bild]Da kommen sie wieder -
Da kommen sie wieder
oben an, die wir überholt haben. Da uns allmählich ein leichtes Hungergefühl überkommt, beschließen wir, nachdem wir den Blick auf den Bergbach [Bild]Der Bergbach -
Der Bergbach
genossen haben, zurückzugehen und etwas zu essen.

Auf dem Rückweg begegnen uns weitere Jugendliche, die sich gerade im Entenschritt [Film]Ente! Quak Quak -
Ente! Quak Quak
fortbewegen. Wir passieren die gigantische Buddhastatue [Bild]Philipp - darf eine Gruppe vor der überdimensionalen Buddhastatue fotografieren
Philipp
[Bild]Eine Laterne -
Eine Laterne
am Ausgangspunkt der Wanderwege, wo aus Lautsprechern buddhistische Gesänge erklingen und viele Leute [Bild]Auch die anderen - finden diese Statue cool
Auch die anderen
unterwegs sind, anschließend ein martialisch aussehendes Soldatenmonument [Bild]Ein Soldatenmonument - das von einem wichtigen Sieg über die Nordkoreaner hier in der Gegend berichtet
Ein Soldatenmonument
, das an einen wichtigen Sieg Südkoreas über die Nordkoreaner hier in der Gegend von Seoraksan erinnert. Anschließend kommen wir nochmals am Weg zu den Wasserfällen vorbei und stellen erstaunt fest, dass dieser nun geöffnet ist, was wohl daran liegen könnte, dass es mittlerweile aufgehört hat zu regnen. Natürlich werden wir diese Gelegenheit nutzen.

Im nahegelegenen Restaurant stärken wir uns mit Bibimbab und machen uns daraufhin sogleich auf den Weg zu den Wasserfällen, um nicht erneut vor verschlossenen Toren zu stehen. Der Weg [Bild]Blick zurück -
Blick zurück
ist wie erwartet sehr gut befestigt, alle paar Hundert Meter sind mitten im Wald Toilettenhäuschen [Bild]Jetzt oder noch 600 Meter??? - Teilweise sind die Abstände noch kürzer
Jetzt oder noch 600 Meter???
und Verkaufsstände [Bild]Eine Auftankstation -
Eine Auftankstation
aufgestellt. Letztere sind so geschickt platziert, dass man diese vollständig passieren muss, da der Wanderweg direkt durch sie hindurch führt. Verkauft wird überall der gleiche Touristenkrimskrams, viel Abwechslung bieten diese allgegenwärtigen Verkaufsstände nicht. An einigen Stellen gibt es die Möglichkeit festes, geschlossenes Schuhwerk auszuleihen, dennoch müssen wir regelmäßig die Köpfe über unbedarfte Koreaner schütteln, die mit leichten Badeschlappen den später zum Teil doch rutschigen und regennassen Felsweg hinaufschlappen.

Wir laufen an einem Bergbach [Bild]Bergbach -
Bergbach
entlang [Bild]Etwas steiler -
Etwas steiler
und kommen an drei eindrucksvollen Wasserfällen [Bild]Wasserfall -
Wasserfall
vorbei, die wegen des Regens sehr viel Wasser führen und darum umso imposanter [Film]Wir bewundern die Wasserfälle -
Wir bewundern die Wasserfälle
sind. Es geht immer am Bach entlang aufwärts, oft auf Wegen aus Eisengitter oder über Brücken [Bild]Brücke -
Brücke
.

Am letzten Wasserfall [Bild]Am letzten Wasserfall - endet der Weg
Am letzten Wasserfall
endet der Weg. Hier ruhen wir kurz aus, [Bild]Andreas -
Andreas
[Bild]Richard -
Richard
aber wegen des immer noch nicht sehr gemütlichen Ausblickes machen wir uns, nachdem wir dieses Naturschauspiel ausgiebig genossen haben, auf den Rückweg [Bild]Nebelbrücke -
Nebelbrücke
. Wir steigen wieder ins Tal hinab und laufen zurück in unser Motel, wo wir den restlichen Tag auf unseren Betten, bestehend aus Decken auf dem beheizten Fußboden, mit Ausruhen, Lesen und Schreiben verbringen.


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