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Die Stadt, das Leben

Göteborg ist keine Studentenstadt. In Studentenstädten wie Lund oder besonders Uppsala hatte ich das Gefühl, dass auch Austauschstudenten durch die sogenannten Nationen (eine Art Verbindung, jedoch ohne politische oder ideelle Ausrichtungen) viel schneller und besser integriert werden. In Göteborg wird man zwar als schwedischer Studienanfänger in einer Art Einführungsphase schnell integriert und in die Sitten eingeweiht, aber als Austauschstudent, der irgendwann mitten im Studium mal vorbeischaut, muss man sich selbst zurechtfinden. Natürlich gab es für uns in der Empfangszeit ähnliche Aktionen, um uns zu zeigen wie das hier in Schweden so läuft, aber wie immer war das nur für Austauschstudenten, so dass es nicht wirklich zur Integration beigetragen hat.

Wenn man aber die Augen offen hält, und auch hierbei sind Schwedischkenntnisse und Interesse hilfreich, kann man doch auch in entsprechende Kreise hineinkommen und echte schwedische Sittnings miterleben, auf denen man, im Gegensatz zu fast überall sonst, als Austauschstudent fast eine Attraktion ist. Auch Studentenpubs gibt es reichlich, zumeist auf dem Campus. Das gilt zumindest für Chalmers.

Es gibt also genug Studentenleben, und natürlich sind auch am laufenden Band Austauschstudentenparties. Wenn man traditionelle Feiern erwartet, ist man in einer Großstadt natürlich fehl am Platze. Am Lucia-Fest zum Beispiel gibt es zwar an verschiedenen Orten Luciazüge, aber für eine richtige altmodische Feier und das zugehörige Gefühl muss man vermutlich eher aufs Land gehen. Dafür hat Göteborg alle Vorteile einer Großstadt zu bieten, unzählige kulturelle Angebote, eine Oper mit günstigen Last-Minute-Preisen, Theater, Konzerte, verschiedenste Festivals, Sportstadien, einen eigenen Vergnügungspark mitten in der Stadt, viele Läden, sehr schöne und gemütliche Stadtteile, große Parks, einen großen Hafen, von wo aus zum Beispiel kleine Kreuzfahrten sehr üblich sind, viele Möglichkeiten zum Ausgehen, auch wenn man die Studentenfeiern satt hat, und vieles mehr. Und nicht zu vergessen die schöne Umgebung mit den schwedentypischen Seen und Wäldern, dem Meer mit den gemütlichen Schäreninseln und der hübschen Landschaft Bohuslän in Richtung Norden.

Die hiesige Alternative zum Unisport besteht in einem von Studenten betriebenen Fitnesscenter namens Fysiken. Es ist zwar nicht umsonst, aber als Student kann man recht günstig eine Semestereintrittskarte kaufen. Im Angebot sind alle möglichen sportlichen Aktivitäten, darunter natürlich auch Innebandy, was eine Art Hockey und die Lieblingsmannschaftssportart der Schweden ist.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind gut, auch wenn Göteborg für seine Straßenbahnunglücke berüchtigt ist. Neben Straßenbahnen und Bussen gibt es Schiffe, mit denen man ohne weitere Kosten auch zu den Schäreninseln gelangen kann. Die Preise sind dabei mit ca. 1,30 Euro für eine einfach Fahrt mit einer Punktekarte annehmbar.

Aber eigentlich sollte man sich ein Fahrrad anschaffen, das man billig gebraucht finden kann, denn auch wenn die Stadt etwas hügeliger ist als Freiburg, ist sie mit vielen beschilderten Fahrradwegen sehr gut zum Fahrradfahren geeignet.

Alles in allem mag ich Göteborg sehr gern und fühle mich wohl hier.


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2003-10-30